Aufsichtsrecht
Eigenmittelanforderungen, Kapitalpuffer, Liquiditätskennzahlen und der aufsichtliche SREP-Prozess — quantitative Anforderungen an Kreditinstitute nach CRR III und CRD VI.
Quantitative Mindestanforderungen für Kredit-, Markt- und operationelles Risiko. Standardisierte Ansätze und interne Modelle (IRB, IMA). Grundlage: CRR III (ab 01.01.2025).
SREP — Supervisory Review and Evaluation Process. Institutsspezifische Kapital- und Liquiditätsaufschläge (P2R/P2G). Bewertung von Governance, ICAAP und ILAAP.
Offenlegungspflichten zur Erhöhung der Markttransparenz. Investoren und Gegenparteien können das Risikoprofil beurteilen. CRR Teil 8, EBA-ITS zur Offenlegung.
| Kapitalkomponente | Kürzel | Mindestquote | Wesentliche Instrumente |
|---|---|---|---|
| Hartes Kernkapital | CET1 | 4,5% RWA | Stammaktien, Gewinnrücklagen, Kapitalrücklagen |
| Zusätzliches Kernkapital | AT1 | 1,5% RWA | Contingent Convertibles (CoCos), Hybridanleihen |
| Kernkapital gesamt | T1 | 6,0% RWA | CET1 + AT1 |
| Ergänzungskapital | T2 | 2,0% RWA | Nachrangige Verbindlichkeiten (> 5 Jahre) |
| Gesamtkapital | TC | 8,0% RWA | T1 + T2 |
RWA = Risikogewichtete Aktiva. Ab CRR III: Output Floor — interne Modell-RWA dürfen die Standardansatz-RWA nicht um mehr als 27,5% unterschreiten (Phaseout bis 2030: 50%→72,5%).
Fester Puffer von 2,5% CET1 — gilt für alle Institute. Dient als erste Verteidigungslinie in Stressphasen. Bei Unterschreitung: automatische Ausschüttungsbeschränkungen (Dividenden, Boni, AT1-Coupons).
Variabler Puffer von 0–2,5% CET1 (erweiterbar), von nationalen Behörden aktiviert. In Deutschland: aktuell 0,75% CET1 (BaFin, Stand 2024). Ziel: Überhitzung des Kreditwachstums dämpfen.
Optionaler Puffer für strukturelle systemische Risiken. Von nationalen Behörden festgesetzt. Kann sektoral oder institutsspezifisch angewandt werden.
Puffer für global (G-SII) und anderweitig systemrelevante Institute (O-SII). G-SII: 1–3,5% CET1 (FSB-Bucket). O-SII: bis 3% CET1 (national festgesetzt).
Der SREP (Art. 97 ff. CRD V) ist der jährliche aufsichtliche Überprüfungs- und Bewertungsprozess. Er umfasst vier Bewertungsbereiche und mündet in institutsspezifische Kapital- und Liquiditätsanforderungen.
| Komponente | Bezeichnung | Charakter |
|---|---|---|
| P1 | Säule-1-Anforderung (CRR) | Bindend, standardisiert |
| P2R | Pillar 2 Requirement | Bindend, institutsspezifisch |
| P2G | Pillar 2 Guidance | Nicht bindend, Erwartungswert der Aufsicht |
| CBR | Combined Buffer Requirement | Bindend (Puffer gesamt) |
Kurzfristige Liquiditätskennziffer. Verhältnis von hochliquiden Aktiva (HQLA) zu netto Liquiditätsabflüssen über 30 Tage unter einem Stressszenario. Mindestanforderung: ≥ 100%.
Strukturelle Liquiditätskennziffer. Verhältnis von verfügbarer stabiler Refinanzierung (ASF) zu erforderlicher stabiler Refinanzierung (RSF) über einen Zeithorizont von einem Jahr. Mindestanforderung: ≥ 100%.
Die Leverage Ratio (Verschuldungsquote, Art. 429 CRR) ist eine risikoinsensitive Kapitalanforderung, die das Kernkapital (T1) ins Verhältnis zur Gesamtrisikoposition (Leverage Ratio Exposure, LRE) setzt. Mindestanforderung: ≥ 3% T1. Für G-SIBs: ≥ 3% + G-SIB-spezifischer Aufschlag (50% des G-SIB-Kapitalaufschlags). Ziel: Vermeidung exzessiver Verschuldung unabhängig von RWA-Modellen.
Institute sind verpflichtet, regelmäßig quantitative und qualitative Informationen zu ihrem Risikoprofil, ihrer Kapital- und Liquiditätsausstattung sowie ihrer Governance zu veröffentlichen (CRR Teil 8, Art. 431–455). Die EBA hat harmonisierte Offenlegungsformate (ITS) entwickelt. Für G-SIBs gelten zusätzliche TLAC/MREL-Offenlegungspflichten.